Diary // Fast 30 oder: Wenn das Leben nicht nach Plan verläuft

Glas mit Glitzer

Ich habe in meinem Leben nie große Pläne geschmiedet. Geträumt habe ich viel, das schon – aber einen festen Fahrplan gab es nicht. Mit 26 Jahren habe ich ziemlich spontan der großen Liebe meines Lebens das Jawort gegeben und es bis zum heutigen Tag nicht bereut. Klar habe ich mich damals gefragt, ob ich in diesem Alter wirklich schon bereit für eine Ehe bin. Ob ich jetzt spießig werde oder langweilig. Letztendlich bin ich dadurch jedoch kein anderer Mensch, wir beide sind kein anderes Paar geworden. Alles ist genauso geblieben, wie es vorher war, bloß dass ich inzwischen einen anderen Nachnamen trage und zwei kleine Tattoos am Handgelenk unsere Liebe besiegeln.

Als nächster großer Schritt kommt im September dann also die 30. Ein Geburtstag, der mich ehrlich gesagt nicht die Bohne interessiert. Denn ich gehöre nicht zu den Menschen, die gerne so tun, als wäre danach alles, was man vorher getan hat, vorbei. Als müsste man es jetzt noch mal so richtig krachen lassen, um sich gebührend von seinem alten Leben zu verabschieden. Also doch kein großer Schritt?

Mir ist schon klar, dass es jenseits der 30 anders zugeht als in den Zwanzigern, in denen man meist noch ungebunden – sei es ohne feste Beziehung oder ohne festen Job – durchs Leben zog, die Nächte durchtanzte und sich keinerlei Gedanken über den nächsten Morgen machte. Wunderschöne Jahre, die ich nicht missen möchte und erst recht nie vergessen werde. Jahre, in denen ich – zumindest ein bisschen – zu mir selbst gefunden habe, gewachsen und bei mir angekommen bin, auch wenn diese Reise noch lange nicht zu Ende ist.

Die 30 war nie ein großes Thema für mich, vielleicht genau deshalb, weil mir feste Pläne bisher fehlten. Aber vor allem auch, weil ich immer wieder gelernt habe, dass man ebensolche zwar durchaus schmieden kann, aber viele Pläne ohnehin nur selten aufgehen. Und vor kurzem habe ich genau das erst wieder erfahren, an diesem einen Tag im April, als da dieser zweite rosafarbene Strich auf dem kleinen weißen Ding in meiner Hand erschien und ich weder wusste, was ich dabei denken noch fühlen sollte. Als ich in jeder Hinsicht überwältigt war.

Es gibt Dinge, die dich aus verschiedensten Gründen aus der Bahn werfen. Die dich reflektieren und überdenken lassen, was gewesen ist, was sein wird und was überhaupt noch sein kann. Weil du dir vielleicht alles ganz anders vorgestellt hast, oder weil du unsicher bist, oder weil in deinem Leben gerade so viel passiert, dass du selbst nicht mehr mitkommst und nur noch am Rand stehst und von Weitem zuschaust. Weil du nicht weißt, ob du dieser Verantwortung jetzt schon gewachsen bist oder dich bereit fühlst, Prioritäten völlig neu zu setzen.

Denn das war bisher mein einziger großer Anhaltspunkt: Irgendwann mit Anfang, vielleicht eher Mitte 30 Kinder bekommen und eine Familie gründen. Eben dann, wenn der Zeitpunkt der richtige ist. Ganz plötzlich bekam dieses Jahr mit der runden Zahl dann also doch die bisher größte Bedeutung meines Lebens. Aber nicht durch meinen eigenen Geburtstag, sondern den eines kleinen Menschleins, das gerade munter in meinem Bauch strampelt. Und zwar lange bevor ich damit gerechnet habe.

Inzwischen sind mehrere Monate vergangen und letzte Woche habe ich bei der Untersuchung das zarte Gesicht und die kleine Stupsnase gesehen, die Ärmchen und Beinchen und wie unsere kleine Erbse am Daumen nuckelt. Und in diesem Augenblick wusste ich, dass alles, was in den letzten Wochen passiert ist, richtig war – auch wenn es sich nicht immer so angefühlt hat. Dass die 30 ein gutes Jahr wird. Dass es okay ist, sich manchmal zu fürchten, gemeinsam unsicher, aber auch gespannt und vor allem glücklich zu sein. Und dass Pläne, die nicht aufgehen, manchmal die allerschönsten sind.

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