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Kurztrip // 7 Dinge, die du in Warschau gesehen haben musst

Häuserfront in Warschauer Altstadt

Unser Trip nach Warschau war glaube ich die spontanste Reise, die ich jemals unternommen habe. Gebucht haben wir sie noch im Auto auf dem Rückweg vom Chiemsee nach Berlin, weil wir noch fünf freie Urlaubstage vor uns hatten, die wir ausnahmsweise mal nicht in der schönen Heimat verbringen wollten. Und von der deutschen Hauptstadt aus ist das Ganze überhaupt nicht kompliziert: Ein Zug fährt in 5 1/2 Stunden von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof und mit Frühbucherrabatt kostet eine Fahrt nur schlappe 39 Euro. Schöne Hotels und Airbnbs gibt es dort sowieso zuhauf und sind in jeder Preisklasse von sehr günstig bis sehr teuer zu haben.

Ein Besuch in Polen stand schon ewig auf meiner Liste, weil meine Familie mütterlicherseits aus Ostpreußen stammt und meine Mama zehn Jahre lang dort aufgewachsen ist. Also hieß es Kofferpacken, ab zum Zug und "Dzien Dobry, Warszawa"! Wir waren für vier Nächte dort und dieser Zeitraum war perfekt, um alles zu machen, essen und sehen, was wir uns vorgenommen hatten. Das sind meine Empfehlungen für euren nächsten Kurztrip nach Warschau: 

1. Durch die Altstadt schlendern

Die Geschichte der Warschauer Altstadt hat mich ein wenig an die meiner Heimatstadt Kassel erinnert. Beide wurden im Zuge des Zweiten Weltkrieges nämlich komplett zerbombt. Einen Unterschied gibt es allerdings doch: Die Warschauer Altstadt wurde bereits kurz nach dem Krieg zwischen 1949 und 1955 fast originalgetreu wieder aufgebaut und 1980 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. In der Regel erreicht man die Altstadt über den Schlossplatz mit der Sigismundsäule, dem Königsschloss und der Johanneskathedrale. Bereits dort hat mich die wunderschöne Kulisse mit den pastellfarbenen Puppenhäuschen ziemlich begeistert. Taucht man ein wenig in die kleinen Gässchen ein, wird es fast noch schöner und man entdeckt überall neue Lieblingsorte. 

Schlossplatz in der Altstadt Warschau

Nur ein paar Gehminuten entfernt findet ihr den alten Marktplatz, auf dem eine der zwei Statuen der Warschauer Seejungfer steht. Sie gilt als Symbol der Stadt und ist ebenfalls auf dem Stadtwappen zu sehen. Eine der schönsten interkulturellen Begegnungen in diesen vier Tagen: Ein älterer polnischer Herr hat uns aufgrund mangelnder Englischkenntnisse seinerseits und fehlender Polnischkenntnisse unsereseits mit Händen und Füßen erklärt, was es mit der Meerjungfrau auf sich hat. 

warschauer-seejunger-altstadtKleiner Laden in der Altstadt von WarschauHäuserfront am alten Marktplatz in WarschauRestaurant in der Altstadt von Warschau  

2. Das Neon Museum in Praha besuchen

Das Neon Muzeum liegt auf der rechten Seite des Weichselufers im Stadtteil Praha. Laut Reiseführer soll dieser ohnehin schon sehr sehenswert sein, Ende Oktober und im Nieselregen wollte es uns dort aber nicht so recht gefallen. Es gibt einen alten Bazar, auf dem die einheimischen ihren Klimbim verkaufen und uns allerdings ziemlich trostlos vorkam. In einigen Straßenzügen stehen jedoch sehr tolle alte Häuser, die uns ein wenig an das frühere Prenzlberg erinnert haben. Praha soll vor allem bei jungen Leuten beliebt sein und auch wenn es an einem Samstagmorgen etwas unbevölkert wirkte, gab es an jeder Ecke hübsche Cafés oder Bars. Außerdem befindet sich dort das Gelände der Soho Factory, eine große Anlage mit Galerien, Designerläden, Theatern und dem Neon Museum.

Eingang zum Neon Museum in Warschau Eingangsbereich des Neon Museums in Warschau

Auch wenn Praha uns diesmal nicht ganz überzeugen konnte, ist das ungewöhnliche Museum unbedingt einen Besuch wert. Es gilt als einzigartig in Europa und zeigt Neonlichter aus dem Polen der 60er und 70er Jahre, die es in dieser Art nirgendwo anders zu sehen gab und gibt. Das besondere an der polnischen "Neongeschichte": Die Lichter hatten hier eine andere Funktion als in kapitalistischen Ländern. Sie wurden nicht zu Reklamezwecken eingesetzt, sondern zur Information und als Prestigeobjekt. Die Regierung veranlasste sogar eine sogenannte Neonisierungskampagne, in deren Zuge in jedem städtischen Raum Neonlichter montiert wurden. Für ganze Straßenzüge entwickelt, bildeten sie einen wichtigen Bestandteil der urbanen polnischen Architektur und waren in Größe, Farbe und Form aufeinander abgestimmt. Entworfen wurden sie von bekannten Künstlern, Grafikern und Architekten. Auch hier gibt's übrigens wieder eine Seejungfer zu sehen!

Wann: Do.-Sa. 12.00-17.00 Uhr, So. 12.00-16.00 Uhr
Wo: ul. Mińska 25, Soho Factory

Sonja im Neon Museum WarschauSirene im Neon Museum WarschauNeon Museum Warschau

3. Piroggen essen und einen Vodka trinken

Nach Warschau fahren und keine Piroggen essen? Unmöglich! Wir haben uns das volle polnische kulinarische Programm direkt am ersten Abend nach unserer Ankunft gegeben. Die besten Restaurants sucht Moritz immer auf Tripadvisor heraus und bisher hat uns die App noch nie enttäuscht. So auch an diesem Abend, als wir im Specjały Regionalne waren. Gleich am Eingang wurden wir von der Bedienung super herzlich empfangen und die ganze Zeit über aufmerksam umsorgt. Wenn ihr nicht gerade riesigen Hunger habt, empfehle ich dort lieber nur ein Hauptgericht zu bestellen. Die kleine Schmalzstulle als Vorspeise stellte sich nämlich als riesiger Teller heraus. Zum Glück gibt es dort aber einen leckeren Vodka als Absacker. Geschmeckt hat alles ganz wunderbar und wären wir länger in Warschau geblieben, hätten wir dem kleinen und sehr hübsch eingerichtetem Lokal sicherlich noch einen zweiten Besuch abgestattet. 

Wo:  Specjały Regionalne, Nowy Świat 44, 00-363 Warszawa

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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4. Auf den Dachgarten der Universitätsbibliothek klettern

Eher durch Zufall sind wir an der Universitätsbibliothek vorbeigekommen und haben im Reiseführer gelesen, dass es dort einen tollen Dachgarten geben soll. Falls ihr mal in Warschau seid, solltet ihr euch diesen unbedingt anschauen, denn von oben kann man nicht nur den Studenten beim Lernen zuschauen, sondern hat ebenfalls einen wunderbaren Blick über die gesamte Stadt. Während man auf der einen Seite die Weichsel und das andere Ufer bewundern kann, blickt man von der anderen Seite auf die Altstadt und die dahinterliegenden Wolkenkratzer. Ja – richtig gehört, die gibt es in Warschau nämlich auch und sehen neben dem alten Kulturpalast aus Lenins Zeiten beinahe aus wie aus einem Science-Fiction-Film. 

Wo: Universitätsbibliothek Warschau, Dobra 56/66, 00-001 Warszawa

Universitätsbibliothek in WarschauAusblick auf die Skyline von WarschauDachgarten der Universitätsbibliothek in WarschauDachgarten der Bibliothek in Warschau

5. Im höchsten Schwimmbad Europas schwimmen

In vielen der besagten Wolkenkratzer sind Hotels untergebracht, so zum Beispiel auch das Intercontinental Warsaw, das in der Nähe des Hauptbahnhofs liegt. Der Pool im obersten Stockwerk ist das höchste Schwimmbad Europas. Auch wenn ich mir aus Plantschen eigentlich nicht viel mache, muss ich zugeben, dass der Blick wirklich atemberaubend war. Von dort aus schaut man nämlich direkt auf den Kulturpalast und die gesamte Stadt bis über den Fluss und hinüber zum neuen Nationalstadion. Vor allem abends sieht das Ganze toll aus, wenn Warschau hell erleuchtet ist. Unsere Lieblingsbeschäftigung war es dann, im Whirpool zu sitzen und nach den Überresten der Neonschilder zu suchen … Noch ein kleiner Tipp zum Schluss: Unter der Woche geht es dort oben wesentlich ruhiger und entspannter zu als am Wochenende. 

Wo: InterContinental Warsaw, 00-125, Emilii Plater 49, Warszawa

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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6. Durch den Lazienki Park spazieren

Noch eine Ähnlichkeit zu Kassel sind die wunderschönen Parkanlagen in Warschau. Mein Favorit war der Lazienki Park südlich der Innenstadt, der mit seinen 80 Hektar der größte Park der Stadt ist. Jetzt im Herbst war es dort besonders malerisch, weil die Blätter an den Bäumen in allen Farben geleuchtet haben. An jeder Ecke findet man außerdem immer neue Gebäude oder verwunschene kleine Brücken. Besonderes Highlight: Der Lazienki Palast, auch Wasserpalast genannt. Er liegt auf einer künstlichen Insel im See und scheint deshalb auf dem Wasser zu schweben. Das Gebäude stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde ursprünglich als barockes Badehaus gebaut. Bis 1793 wurde er dann zu dem heutigen Palast erweitert. 

Wasserschloss in WarschauSäulengang des Wasserschlosses in Warschau

Was gibt's im Lazienki Park noch zu sehen? Ein Amphitheater, dessen Bühne auf dem Wasser liegt, das Chopin Denkmal im Rosengarten, eine alte und eine neue Orangerie und den schönen Palast Belvedere. Das Gelände ist übrigens unkompliziert mit dem Bus erreichbar. 

Lazienki Park in Warschau Statue im Lazienki Park WarschauSpaziergang durch den Lazienki park in Warschau

 7. Durch die Nowy Świat bummeln

Wenn man in Warschau eines gut machen kann, dann ist das Shoppen. Von riesigen Einkaufszentren bis zu kleinen Boutiquen und von Highstreet bis Luxus gibt's dort tatsächlich alles, was das Modeherz begehrt. Besonders Spaß macht der Einkaufsbummel in der Nowy Świat, einer der historischen Straßen Warschaus, die uns stilistisch ein wenig an das Holländische Viertel in Potsdam erinnert hat und vorbei an beeindruckenden Kirchen, der Universität und dem Präsendentenpalast bis hinunter zur Altstadt führt. Hier reiht sich Geschäft an Geschäft und selbst mit leerem Portemonnaie macht Window-Shopping gleich viel mehr Spaß, weil die schöne Straße allein optisch so viel zu bieten hat. Pluspunkt: Wenn später die Füße wehtun, könnt ihr euch in einem der vielen Cafés oder Restaurants aufwärmen und stärken. 

Nowy Swiat in Warschau

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Tipps für einen Kurztrip nach Warschau

 

8 Kommentare

  1. Super Beitrag über Warschau. Bin seit meinem Besuch in Krakau sowieso ein Polenfan und möchte Warschau auch sehr gerne besuchen.

    Alles Liebe Sarah

  2. Wundervoll! Den Garten über den Dächern der Uni kenne ich noch nicht, das werde ich mir mal merken!
    Durch den Lazienki-Park spazierte ich auch schon mehrfach. Bei meinem letzten Aufenthalt half ich übrigens einem jungen Mann, seiner völlig ahnungslosen und überraschten Freundin einen Heiratsantrag zu machen. Die Geschichte dazu gibt es hier:

    https://goldeneslichtimzimmer.wordpress.com/2015/09/08/warszawa-57-das-gruene-warschau-lazienki-park-und-der-saechsische-garten/

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