Hallo Leander // Über die Geburt und die ersten Wochen mit Baby

Freitagabend, 22 Uhr, auf dem Fernseher läuft gerade der dritte Teil des Herrn der Ringe. Irgendetwas fühlt sich plötzlich nass an. „Ich glaube die Fruchtblase ist geplatzt“, sage ich zu Moritz, um anschließend – nicht panisch, aber durchaus mit gewisser Anspannung – herauszufinden, ob das auch wirklich stimmt. „Kann vielleicht auch etwas anderes gewesen sein“, betone ich mehrfach, aber Moritz besteht darauf, in die Klinik zu fahren. Sein „Jippie, endlich geht es los!“ wird mir wohl immer im Kopf bleiben.


Also gehen wir noch mal duschen, packen unsere letzten Sachen zusammen und rufen ein Taxi. Als wir darin sitzen bin ich erleichtert, dass die Wehen noch nicht eingesetzt haben. Auch wenn Berliner Taxifahrer es gewohnt sind, Frauen in den Kreißsaal zu bringen, hatte ich allein vor der Vorstellung schon die ganze Schwangerschaft über Angst vor diesem Moment. Ohne Wehen oder plätscherndes Fruchtwasser fühlte ich mich jedoch sicher und wurde im Auto noch mal ganz ruhig. Die Lichter der Stadt zogen an mir vorbei und ich dachte gar nicht so recht über das bevorstehende Ereignis nach. Ich glaube wir unterhielten uns nicht, diese halbe Stunde war es einfach nur still zwischen uns.


„Der Kreißsaal ist auf der anderen Seite“, sagte ich zum Taxifahrer als wir gegen 00 Uhr vor der Klinik hielten – zum Glück hatte ich mir das gemerkt. Wir bogen kurz um die Ecke und standen auch schon vor dem Eingang. Moritz bezahlte, was sich für mich anstatt wie zwei Minuten wie mindestens zwanzig anfühlte. Ich starrte auf das Tor und fragte mich, was gleich passieren würde. Durfte ich reinkommen oder waren vielleicht schon alle Zimmer belegt? Wir klingelten und wurden freundlich hereingebeten.

Nach dem Aufnahmeprozedere erklärte ich der Hebamme die Situation und wurde untersucht. Nach einem professionellenGriff war klar: Die Fruchtblase ist geplatzt und der Muttermund bereits ein Zentimeter offen. Plötzlich lief das Fruchtwasser nur so heraus und die Wehen setzten langsam ein. Ich kam ans CTG und wir beide betrachteten fasziniert die Kurven auf dem Bildschirm – noch waren die Schmerzen wirklich auszuhalten. Morgens bei der Frauenärztin hatte der Wehenschreiber noch gar nichts gezeigt und sie hatte mir keine Hoffnung auf eine baldige Geburt gemacht. „In Your Face“, dachte ich mir, denn der Kleine sah das offenbar anders und mit der Frauenärztin stand ich ohnehin ein wenig auf Kriegsfuß. Fünf Tage nach dem errechneten Termin war unser Sohn also bereit dafür, das Licht der Welt zu erblicken – und zwar schneller als gedacht.

Nach einer weiteren Untersuchung wurde ich aufgenommen, um die Nacht in der Klinik zu verbringen. Moritz sollte noch einmal nach Hause fahren, damit wir beide schlafen und Kraft sammeln konnten. „Vor morgen früh wird es sowieso nicht ernst“, versicherten uns alle. Als die Wehen langsam stärker wurden, ich in mein Zimmer geschoben wurde und Moritz sich auf den Weg machte, bekam ich Angst. Getrennt voneinander – so hatte ich mir das alles nicht vorgestellt. Auch wenn ich natürlich wusste, dass es die beste Lösung war, wollte ich nicht alleine sein. Aber ich verabschiedete mich tapfer und versuchte zu schlafen, so wie es die Schwester gesagt hatte. Keine Ahnung, wie das bei den Schmerzen gehen sollte. Und wieso gelten Fünf-Minuten-Abstände eigentlich noch nicht als regelmäßig?

An Schlaf war jedenfalls nicht mehr zu denken, denn die Wehen wurden immer heftiger. Ich war mir unsicher, ab wann ich die Schwester rufen durfte und wollte auch meiner Zimmernachbarin mitten in der Nacht nicht auf die Nerven gehen. Also wartete ich noch eine Weile, bis ich es nicht mehr aushielt. Nach rund eineinhalb Stunden wurde ich zurück hinunter in den Kreißsaal geschoben und wieder von der Hebamme untersucht. „Ihr Muttermund ist schon sieben Zentimeter offen, rufen Sie schnell Ihren Mann an“. Moritz lag ganze zehn Minuten im Bett, bevor er gegen 3 Uhr wieder ins Taxi stieg und zurück Klinik fuhr. Ich hatte Angst ohne ihn in den Kreißsaal zu gehen, aber die Hebamme und ihre Schülerin kümmerten sich sehr lieb um mich.

Ich habe immer gedacht, dieses berühmte „Sobald du das Kind im Arm hältst, hast du alles vergessen“ sei nur ein gut gemeinter Spruch zur Beruhigung. Bei mir traf es jedoch wirklich zu. An Vieles, was in der Nacht passiert ist, erinnere ich mich nur noch verschwommen.

Ich weiß noch, dass es kurz und heftig war. Dass ich die Hebamme nach einem leichten Schmerzmittel fragte und Lachgas bekam. Dass die Wehen als ich in den Kreißsaal kam am schlimmsten waren und ich sie nur schlecht veratmen konnte. Durch die schnelle der Geburt war mein Kreislauf im Keller und ich musste mich anfangs ständig übergeben. Ich weiß noch, dass ich fast die ganze Zeit auf der Seite oder dem Rücken lag, obwohl ich es mir doch ganz anders vorgenommen hatte. In jedem Geburtsvorbereitungskurs lernt man, die Position öfter zu wechseln und dass die Rückenlage am wenigsten optimal ist. Es kommt aber eben immer alles anders, als man plant. Zum Glück halfen mir die Hebamme und die Ärztin dabei, auch auf dem Rücken eine gute Position zu finden.

Ich weiß noch, dass es trotz der Schnelle am Ende doch recht lang dauerte. Meine Presswehen waren sehr kurz und hatten sehr lange Abstände. Eine Weile lang schien es nicht mehr voranzugehen und als ich irgendwann das Wort „Saugglocke“ hörte, schrillten bei mir alle Alarmglocken. Doch die beiden Frauen gaben mir weiterhin meine Zeit, halfen mir erneut, eine bessere Position zu finden und leiteten mich auch sonst sehr geduldig durch die Geburt.

Ich weiß noch, wie anstrengend ich es fand, dass es mit dem Köpfchen nicht getan war, sondern auch noch die Schultern heraus mussten – genauso wie die Plazenta, obwohl ich mich doch einfach nur ausruhen wollte. Und ich weiß noch, wie die Hebamme meinte, dass sie gar nicht weiß, woher ich meine Energie genommen habe. Dass ich keinmal gesagt hätte „Ich schaffe das nicht“ oder „Ich brauche eine Pause“. Das war mir vorher gar nicht aufgefallen. Und plötzlich war er einfach da und Moritz schnitt die Nabelschnur durch und vergoss ein Tränchen und ich war völlig überwältigt und konnte die beiden nur ungläubig aber überglücklich anstarren. Und ich war furchtbar stolz auf mich – auf uns alle drei. Am 1. Dezember um 6:40 Uhr war Leander auf der Welt.

Das alles ist jetzt schon über sechs Wochen her und mir kommt es eher vor wie sechs Monate. In dieser Zeit war kein Tag wie der andere. Meistens hast du viel geschlafen, manchmal aber auch viel geweint. Du hast unheimlich viel Besuch bekommen, weil alle dich sehen wollten und immer noch wollen. Du hast deine Hebamme und uns jeden Tag erstaunt, wie schnell du zunimmst – und hattest schon nach drei Tagen dein Geburtsgewicht erreicht. Jeder, wirklich jeder, spricht uns auf dein dunkles Wuschelhaar an. Du hast zum ersten Mal in deinem eigenen Bettchen geschlafen, hast zum ersten Mal gebadet und bist zum ersten Mal mit uns spazieren gegangen. Du hast gelernt, die Welt mit anderen Augen zu sehen, deine Stimme und deine Hände entdeckt. Irgendwann hast du zurückgelächelt und eroberst unser Herz damit jeden Tag neu. Du magst dein Mobile am Wickeltisch, du magst es, auf Papas Arm einzuschlafen und du siehst dich überall mit deinen wachen Äuglein um. Manchmal ist alles so aufregend, dass du dich gar nicht beruhigen magst, aber dann schlummerst du doch friedlich bis zum nächsten Morgen. Wir sind oft müde und fertig und ziemlich erschöpft, aber all das bist du Wert. Denn wir sind auch überglücklich, ganz verzaubert und voller Liebe für dich – du wunderbares, kleines, süßes Menschlein.

Ein großes Dankeschön an dieser Stelle noch einmal an unsere Familie und Freunde für eure Unterstützung, die vielen Geschenke und lieben Worte. Und ein riesengroßer Dank vor allem an meine Hebamme Vivien aus dem St. Joseph Krankenhaus, die mich so großartig durch die Geburt geleitet hat.

Vielen Dank auch an Cindy und Kay Fotografie für die zauberhaften Bilder (außer Produktfotos). Die beiden haben sich auf authentische und persönliche Familienbilder im Reportagestil spezialisiert und wir sind hin und weg von den tollen Erinnerungen, die sie uns mit den Aufnahmen unserer kleinen Familie geschaffen haben. So schön!   
Bei Interesse findet ihr auf ihrer Website weitere Arbeiten und hier geht’s zu unserem Babybauch-Shooting mit dem Fotografenpaar.

Karten zur Geburt von Atelier Rosemood

Die tollen Dankeskarten, Umschläge und Aufkleber zur Geburt sind von Atelier Rosemood. Dort findet ihr wunderschöne Papeterie für jeden Anlass von verschiedenen Designern. Einmal ausgewählt, könnt ihr den Rest der Karte ganz einfach selbst online personalisieren. Wir haben für unsere Karte schon jede Menge Komplimente bekommen. Und genau so, wie es dort steht, ist es auch: Wir sind noch immer ganz verzaubert von unserem kleinen Leander!

Dankeskarten zur Geburt von Atelier Rosemood

Die hübsche Schnullerkette ist von handmade.luna. Vielen Dank für die schöne Überraschung

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