Diary // Schwangerschaftshormone – Was ist dran?

Collage zu Schwangerschaftshormonen

Neulich haben wir ein paar Freunde und Bekannte getroffen, von denen bereits einige Eltern sind oder es bald werden. Als Moritz und ich später gemeinsam nach Hause gelaufen sind, hat er mir erzählt, dass einer der anderen Jungs gefragt hätte: “Und wie ist es mit Sonja gerade so? Die Größe des Bauchs kenne ich, das war bei uns damals nicht einfach.” Und alle anderen (werdenden) Väter hätten verschwörerisch genickt, so als wüssten sie scheinbar ganz genau, dass diese Phase der Schwangerschaft etwas schwierig sein und die Beziehung auf die Probe stellen kann. Damals auf dem Nachhauseweg haben wir darüber nur gelacht, weil es mir in allen Belangen prima ging – von Gefühlsausbrüchen oder schlechter Laune keine Spur.

Das war vor ungefähr drei Wochen und es kommt mir schon jetzt vor wie eine kleine Ewigkeit. Seitdem hat sich nämlich einiges geändert – und damit meine ich nicht bloß, dass mein Bauch einen großen Sprung gemacht hat. Nein, in den letzten paar Tagen haben die berühmt-berüchtigten Schwangerschaftshormone eingeschlagen wie eine Bombe und ich fühle mich meistens wie Jeff aus der Snickers-Werbung, der nicht er ist, wenn er Hunger hat.

Dass das passieren kann, war mir durchaus bewusst. Wie sehr es mich manchmal treffen würde, darauf war ich nicht vorbereitet. Wenn es ums Streiten geht, bin ich auch sonst ein sehr impulsiver Mensch und vertraue mehr auf meine Gefühle als auf rationale Gedanken – auch wenn ich trotzdem selbstkritisch bin und mich ständig hinterfrage. Die ohnehin schon emotionalen Eigenschaften scheinen sich bei mir momentan allerdings munter zu potenzieren und zeigen sich dabei als kleine fiese Intriganten, gegen die ich nicht ankämpfen kann – selbst wenn ich es wollte. Ich habe es immer für ein Klischee gehalten, aber besagte Hormone gibt es scheinbar wirklich.

Erst gestern bin ich zunächst schreiend und dann weinend zusammengebrochen, weil Moritz eine 8er-Packung Küchenrolle gekauft hat. Und das, obwohl ich bereits seit Jahren – offensichtlich erfolglos – versuche, ihn von den Umweltbelastungen ebendieser zu überzeugen (hier übrigens noch mal der Beweis, Schatz). Bei meiner Meinung bleibe ich immer noch, bloß war die gestrige Reaktion vermutlich leicht übertrieben. Jedenfalls wissen jetzt auch alle Nachbarinnen, Nachbarn und die Leute unten auf der Straße von meiner Abneigung gegen Küchenpapier.

Zum Glück hatte ich in der Schwangerschaft bisher körperlich kaum Probleme und darüber bin ich wirklich dankbar. Dass sich all die Veränderungen jedoch ebenfalls merklich auf die Psyche auswirken, ist genauso wenig ein Spaziergang wie dicke Füße oder ein schmerzender Rücken. Meistens sorgt nur ein winziger Trigger für ein riesiges Tohuwabohu, das innerhalb von Sekunden die gesamte Gefühlswelt durcheinanderbringt. Das im Handumdrehen dein ganzes Leben und alle Entscheidungen infrage stellt. Das aber auch genauso  schnell wieder verschwindet, wie es gekommen ist. So schnell, dass wir danach gemeinsam darüber lachen können, ohne uns großartig zu streiten.

So reibungslos funktioniert das allerdings nicht jedes Mal.. Meine Erfahrung sagt, dass schwangere Frauen so viel mit sich selbst zu tun haben, dass die Bedürfnisse des Partners oder der Partnerin häufig hinten anstehen. Was schwierig ist, denn auch wenn sie uns die körperliche Seite nicht abnehmen können und die Schwangerschaft zwangsläufig anders erleben, so haben auch sie mit Gedanken und Zweifeln zu tun, müssen sich auf die neue Situation genauso einstellen wie wir.

Das weiß ich, und trotzdem gelingt es mir derzeit selten, objektiv und fair zu bleiben. Deshalb hier ein kleiner Reminder für mich (und dich), damit wir uns weiterhin lieb haben: Sich gegenseitig zuhören ist wichtig – momentan aber wichtiger denn je. Gefühlsausbrüche sind okay, sollten aber besser gleich geklärt werden, damit kein großer Streit entsteht. Schwangerschaftshormone gibt es nicht nur in schlechten Soap Operas und Fernseh-Schmonzetten, ein Ende ist jedoch in Sicht. Schokolade hilft immer, um die Laune zu heben. Und eines bleibt sowieso klar: Küchenrolle ist schlecht für die Umwelt.

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