Diary // “Jetzt zeig doch endlich mal deinen Bauch”

Schwangerer Bauch im 7. Monat

Ich bin jetzt im neunten Monat schwanger und habe noch nie einen Sitzplatz in der Bahn angeboten bekommen. Mir persönlich ist das ziemlich egal, denn bisher fühle ich mich körperlich noch nicht so beeinträchtigt, dass ich nicht mehr stehen könnte und überlasse Omis und Opis deshalb trotzdem noch meinen Platz. Andere Leute scheinen das mal wieder völlig anders zu sehen. Ich weiß gar nicht, wie oft ich in letzter Zeit den Satz gehört habe, dass ich meinen Bauch doch endlich mal zeigen soll. Denn dann würde ich mich doch setzen können. Oder ich bekäme im Restaurant nicht ständig Alkohol angeboten. Oder hätte jede Menge andere Annehmlichkeiten.

Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass diese Leute das nur sagen, um ihr eigenes Gewissen zu beruhigen. Stichwort Alkohol zum Beispiel. Ich verstehe einfach nicht, wieso ich jedem*jeder Kellner*in oder Barkeeper*in ständig suggerieren sollte, dass ich schwanger bin. Ist das etwa der einzige Grund, mal nicht zu trinken? Zumindest der scheinbar einzige gesellschaftlich anerkannte. Denn selbst als Fahrer*in hat man heutzutage offensichtlich keinen Bonus mehr, das Gläschen in Ehren muss schon sein. Den anderen Menschen am Tisch scheint es fast schon peinlich, dass einer unter ihnen nichts trinkt – ohne ersichtlichen Anlass. Als Schwangere ist man wenigstens die selbstgewählte Spaßbremse und jede*r kann sich darauf berufen.

Ich kann gut verstehen, wenn sich schwangere Frauen wohl in ihrem Körper fühlen und das Glück in ihrem Bauch mit jedem teilen möchten. Ich möchte das nicht unbedingt, und das hat nicht mal einen genauen Grund. Ich verstecke meinen Bauch nicht absichtlich, aber ich trage eben auch keine hautengen Klamotten, nur damit ihn jeder sieht. Das habe ich vorher schließlich auch nicht getan. Weil ich aber selbst Anfang des neunten Monats noch keine besonders riesige Murmel habe, würde es nur auf diesem Wege funktionieren – besonders mit dicker Jacke. Es sei denn, ich hänge mir vielleicht noch ein Schild mit Leuchtbuchstaben um den Hals. An sich halte ich mich aber einfach nur daran, was ich mir schon zu Beginn der Schwangerschaft vorgenommen habe: so wenig Umstandskleidung wie möglich kaufen. Was bedeutet, dass mir aus meiner normalen Garderobe eben nur noch weite Kleidung so richtig passt.

 

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Ein Beitrag geteilt von Sonja Köllinger (@goldfasanblog) am


Das heißt jedoch alles nicht, dass ich selbst nicht schätze, was mit und vor allem in meinem Körper da gerade passiert. Ich stehe morgens jeden Tag vorm Spiegel und schaue meinem Bauch beim Wachsen zu, genauso wie bei all den anderen Veränderungen. Und ich bin ziemlich stolz darauf, aber vor allem dankbar, dass bisher alles so gut gelaufen ist. Auf der anderen Seite muss ich aber auch gestehen, dass ich niemand bin, der die Schwangerschaft unendlich genießt, denn ehrlich gesagt freue ich mich auch darauf, meinen Körper wieder für mich allein zu haben, ohne Einschränkungen oder Beeinträchtigungen.

Das klingt sicherlich härter als ich es meine, denn mit diesen Gedanken bin ich in den letzten Wochen oft auf Unverständnis gestoßen. Auf Männer, die ständig sagen, es sei ja nicht schlimm, mal neun Monate lang nicht zu trinken – wohlgemerkt immer mit einem Bier in der Hand. Oder auf Frauen, die nur lachen, abwinken und prophezeien, dass es in der Stillzeit nicht besser wird (darunter wohlgemerkt auch viele, die noch nicht mal ein Kind haben). An sich alles richtig, aber vielleicht nicht immer das, was man gerade hören möchte. Es scheint leider immer noch etwas dran zu sein, dass man als Schwangere einfach glücklich sein muss, “denn man hat ja etwas, das sonst niemand hat.” Das stimmt, es macht mich aber nicht immer glücklich.

Vielleicht hat es ja doch einen Grund, dass ich auf hautenge Kleidung lieber verzichte, und zwar den, dass ich nicht ständig nur auf meine Schwangerschaft reduziert werden oder gute Tipps bekommen möchte. Oft gibt es gar kein anderes Gesprächsthema mehr und alles andere, was mich und mein Leben so ausmacht, wird von vielen seit knapp neun Monaten konsequent ignoriert. Dabei konnte ich abgesehen davon, dass ich nicht mehr bis morgens im Club stehen kann, auf bestimmte Lebensmittel, Alkohol und Zigaretten verzichten muss, bisher glücklicherweise fast genauso weitermachen wie bisher. Bloß, dass ich all diese Dinge manchmal trotzdem schrecklich vermisse. Und das laut anderer Eltern auch noch ziemlich lange tun werde, denn “mit Kind wird alles anders” und das Leben ist dann sowieso vorbei.

Manchmal frage ich mich, wie ich dieses ominöse Schwangerschaftsglück überhaupt empfinden soll, wenn niemand mal zu mir sagt: “Freu dich drauf, das wird richtig gut”; anstatt: “Nutzt eure Zweisamkeit noch so lang es geht” oder “schlaf lieber schon mal vor”. Das klingt immer so, als wären Kinder eine lästige Pflicht, die man halt erledigen muss, aber so richtig Bock drauf hat eigentlich keiner. Ich mache mir nicht die Illusion, vor solchen Gedanken immer gefeit zu sein. Denn ja, es wird anstrengend und ja, es wird uns an unsere Grenzen bringen. Und nein, die Geburt wird keineswegs ein Spaziergang. Das ist aber nichts, was ich werdenden Eltern mit auf den Weg geben oder was ich selbst zu diesem Zeitpunkt hören möchte – zumindest nicht ausschließlich. Jeder weiß doch über diese Dinge Bescheid, also wieso nicht einfach mal Mut machen oder von ein paar schönen Dingen erzählen? Das passiert leider viel zu selten. Und deshalb bleibe ich vielleicht lieber doch noch ein bisschen in meiner kleinen schwangeren Seifenblase, verhülle meinen Bauch und verlasse mich auf mein eigenes Gefühl.

2 Kommentare

  1. Antworten
    Katha

    Wow! Wirklich toll geschrieben! So ähnlich ging es mir während meiner Schwangerschaft auch. Allerdings habe ich an manchen Tagen auch sehr gern engere Kleidung getragen, an manchen eben nicht. Denn genau wie du es beschreibst, bekommt man viele (ungefragte) Ratschläge und es dreht sich viel um das Thema Baby. Eine Schwangerschaft ist unfassbar spannend und etwas Wundervolles aber manchmal eben auch anstrengend und definitiv kein Allgemeingut. Leider verlagert sich das Fachwissen der Leute inkl. Kommemtaren dann nachher oft auch auf das Thema Stillen/ Erziehung etc.
    Du machst das toll! Genieß deine letzten Wochen mit Bauch und freu dich auf die wunderbare Zeit mit deinem Baby! Die Liebe zum eigenen Kind ist einmalig und unerklärbar!

    1. Antworten
      Sonja Author

      Danke für deinen Kommentar 🙂 Ist schön zu sehen, dass man mit diesem Gefühl nicht allein ist.
      Ich trage auch manchmal enge Kleidung, eben immer so, wie ich gerade Lust habe. Und genauso so, wie vor der Schwangerschaft auch.
      Durch die Tipps und Kommentare muss man wohl einfach durch, oder ein dickes Fell zulegen.
      Dir auch alles Liebe für deine Familie <3

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