Diary // Fällt euch Abschalten auch so schwer?

Porträt mit Kopfhörern

Eigentlich bin ich seit rund vier Wochen im Mutterschutz. Die Betonung liegt auf eigentlich, denn bisher macht sich bei mir davon nicht so viel bemerkbar. Mag sein, dass es an meiner Selbstständigkeit liegt und ich deshalb immer das Gefühl habe, dass ich vor der Geburt noch dies und jenes erledigen könnte. Aber auch schon vor der Schwangerschaft habe ich gemerkt, dass es mir unheimlich schwer fällt, einfach mal abzuschalten.

Ich habe keine Ahnung, wann ich das letzte Mal den ganzen Tag lang im Bett oder auf der Couch verbracht habe. Vielleicht im Winter beim Durchsuchten einer Serie oder völlig verkatert nach einer durchtanzten Nacht – was nach neun Monaten Schwangerschaft natürlich auch schon eine Weile her ist. Aber selbst diese beiden Optionen bedeuten für mich nicht wirklich Abschalten – ist die eine doch eher gezwungenermaßen herbeigeführt und die andere je nach TV-Programm nicht unbedingt erholsam.

In den letzten Wochen bin ich trotzdem kürzer getreten – nicht unbedingt weil ich wollte, sondern weil mein Körper es gebraucht hat. Ich habe gelernt, dass ich nicht mehr wie der kleine Muck durch die Gegend flitzen kann, sondern mindestens zwei Gänge herunterschalten muss. Ich habe gelernt, dass ich nicht mehr den ganzen Tag unterwegs sein kann und dass ich mich zwischendurch immer wieder hinsetzen muss. Ich habe gelernt, dass ich Kraft tanken muss, um mich auf die bevorstehende Geburt vorzubereiten. Ich habe gelernt, dass ich durchaus einen halben Tag lang auf der Couch verbringen darf.

Trotzdem ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich bei all diesen Dingen ein schlechtes Gewissen bekomme. Besonders Herumliegen fällt mir unheimlich schwer. Nach etwa fünf Minuten mit geschlossenen Augen kann ich mir sicher sein, dass mir meine To-Do-Liste in den Kopf schwirrt und mich so lange nervt, bis ich aufgebe und mich doch wieder an die Arbeit setze – sei es nun die Unterlagen für das Elterngeld herauszusuchen oder einen Text für den Blog zu schreiben. Immerhin mache ich das dann meistens auf dem Sofa, sodass ich mich zumindest alibimäßig ausruhen kann.

Und dann wären da ja noch die ganzen Maßnahmen zur Geburtsvorbereitung. Einmal die Woche zum CTG, einmal die Woche zur Akupunktur, einmal täglich Himbeerblättertee, zweimal die Woche ein Heublumendampfbad, regelmäßige Damm-Massage, Yoga und so weiter. Jedes Mal, wenn ich mich kurz hinlege, fällt mir ein, was ich eigentlich noch für mich und das Baby tun müsste. Und überlege dann, ob dieses Für-Mich-Tun überhaupt so stressig sein sollte.

Das sollte es natürlich nicht, und das weiß ich auch. Deshalb habe ich seit letzter Woche einen geheimen Deal mit mir selbst. Immer abwechselnd erledige ich einen Tag noch ein paar Aufgaben und den anderen Tag mache ich gar nichts, außer etwas wirklich Entspanntes für mich: Mich mit Freund*innen treffen, mit dem Hund spazieren, Herumliegen, Yoga oder die klitzekleine Babykleidung anstarren, in der schon ganz bald Erbse stecken wird. Ich bin also einfach ehrlich zu mir, denn ganz abzuschalten werde ich bis zur Geburt ohnehin nicht schaffen. Jeder zweite Tag ist da schon ein guter Kompromiss.

Und ehrlich gesagt brauche ich die kleinen Beschäftigungen auch, um mich vor diesem großen bevorstehenden Ereignis abzulenken. Der kleine Mann scheint sich noch ein wenig Zeit zu lassen und Geduld war noch nie meine Stärke. Wie war das bei euch – was habt ihr gemacht, um die Wartezeit zu überbrücken? Ich hoffe jedenfalls, sie geht ganz schnell vorbei …

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