Diary // Wer bin ich?

Halbporträt mit Unterwäsche von erlich Textil

Was siehst du, wenn du in den Spiegel schaust?

Ich bin mir da momentan nicht so sicher. Einerseits sehe ich mich, so wie ich schon immer war. Andererseits sehe ich eine Mutter, die vor wenigen Monaten ein Kind geboren hat. Die ihr Kind ernährt und umsorgt. Selbstverständlich ist deshalb nicht alles so wie vorher – wie sollte es das auch sein? Diese Veränderungen zu akzeptieren, ist mir dennoch manchmal schwer gefallen und tut es auch immer noch.

Ich bin sehr stolz darauf, was mein Körper in den letzten Wochen und Monaten geleistet hat – und was er jetzt gerade leistet. Ich würde zwar nicht behaupten, dass die Schwangerschaft ein Zuckerschlecken war – auch wenn Schokolade seitdem zu meinen Hauptnahrungsmitteln gehört; vergleichsweise mit anderen habe ich mich bis zum Schluss allerdings recht wohl in meiner Haut gefühlt, habe mich viel bewegt, viel Sport gemacht, war viel unterwegs und habe mich nicht besonders eingeschränkt gefühlt – bis auf die Tatsache, dass ich nicht alles essen und trinken konnte, was ich wollte. Ich hatte keine Wassereinlagerungen, keine Dehnungsstreifen oder sonstige Schwangerschaftswehwehchen. Meistens konnte ich sogar richtig gut schlafen, wenn ich nachts nicht gerade eine Heißhungerattacke bekam.

Im schwarzen Body von erlich Textil

Auch die Entbindung ist ohne größere Komplikationen verlaufen. Ich habe die negativen Erfahrungen aus dieser Nacht ziemlich schnell vergessen und kann deshalb mit einem mehr oder weniger guten Gefühl darauf zurückblicken. Nach geplatzter Fruchtblase war der Kleine innerhalb von sechs Stunden da – dass mein Körper nach der Schnelle der Geburt erst einmal eine Weile brauchte, um sich zu erholen, war an sich die normalste Sache der Welt. Wenn andere Menschen plötzlich anfangen, das zu hinterfragen, kommt man jedoch selbst ins Grübeln.

Ohnehin war mein Kopf in dieser Zeit viel weiter als mein Körper. Wenn es nach meinem Gefühl gegangen wäre, hätte ich Bäume ausreißen können – oder zumindest mein Kind durch die Wohnung tragen. Da es aber nach meinem Körper gehen musste, war beides nicht möglich, und das machte mich ärgerlich und manchmal auch traurig. Fragen wie „Was machst du denn jetzt den lieben langen Tag?“ oder „Wie, du warst nach zwei Wochen immer noch nicht draußen?“, machten die ohnehin schon emotionale Zeit im Wochenbett nicht unbedingt besser. Ich fragte mich, wie es andere Frauen schafften, direkt nach der Geburt herumzulaufen und Dinge zu erledigen, so als wäre nie etwas gewesen. Und wieso ich selbst das eigentlich nicht hinbekam. Anstatt mich zu schonen, tat ich also trotzdem mein Bestmögliches, um dem Kleinen so gut es ging gerecht zu werden und auch dem vielen Besuch, den wir in dieser Zeit empfingen.

Anstatt auf meinen Körper zu hören, machte ich das Gegenteil, und bekam dafür direkt die Quittung: Ein fieser Milchstau mit Schüttelfrost und Gliederschmerzen einerseits, ein Gerstenkorn auf jedem Auge andererseits. Erst nach drei langen Monaten habe ich mich endlich wieder besser gefühlt, wenn auch nicht als Einheit mit meinem Körper. Denn eigentlich sind wir ja die ganze Zeit zu dritt – er, Leander und ich. Manchmal weiß ich schon gar nicht mehr, wie es sich anfühlt, mit mir allein zu sein.

Vor der Geburt habe ich mir fest vorgenommen, nicht nur Mama zu werden, sondern auch ich selbst zu bleiben, mit meinen persönlichen Interessen und Bedürfnissen. Im Alltag mit Baby ist das jedoch gar nicht so einfach, wenn man fast den ganzen Tag lang mit dem Kleinen alleine ist. Wenn es oftmals schon an der morgendlichen Dusche hapert, wie soll man dann so einem zeitaufwendigen Hobby wie dem Lesen nachgehen? Wenn ein richtiges Mittagessen schon selten drin ist, wie soll man dann noch zum Arbeiten kommen? Allein dieser Text liegt jetzt schon seit drei Wochen herum und hat lange darauf gewartet, vollendet zu werden.

Nach den ersten anstrengenden Monaten als Mutter finde ich langsam aber sicher wieder zu mir selbst. Schritt für Schritt, weil Leander und ich uns jeden Tag besser kennenlernen, aber auch, weil ich mich mehr und mehr an die Rolle als Mama gewöhne. Und daran, dass sich Vieles etwas anders anfühlt. Denn „geboren wird nicht nur das Kind durch die Mutter, sondern auch die Mutter durch das Kind“. Wie viel Wahres liegt bloß in diesem Satz? An den meisten Tagen weiß ich ganz genau, wie Leander tickt, wann er essen oder schlafen oder spielen möchte. Wir sind viel gemeinsam unterwegs und ich lasse mich nicht (mehr) davon einschüchtern, dass das mitunter anstrengend ist. Er ist schon jetzt mit seinen vier Monaten ein unheimlich neugieriges kleines Kerlchen, das lieber alles beobachtet, als bloß in seinem Wagen zu liegen. Das jeden Menschen anstrahlt, auch wenn er ihn gar nicht kennt. Solange ich seine Bedürfnisse respektiere, ist er gerne überall dabei. Mit kleinen Einschränkungen funktioniert Vieles, das ich vorher getan habe, auch mit Baby wunderbar.

Nur die Zeit ganz für mich allein fehlt mir oft immer noch, aber auch diese finde ich langsam wieder. Das musste ich auch, denn ohne sie fehlte mir manchmal die Luft zum Atmen. Die Möglichkeit, die Batterien wieder aufzuladen und die Energie zu haben, mich um dieses kleine Menschlein zu kümmern, das fortan unser Leben bestimmen soll – jede Stunde und jeden Tag, oft sogar jede Sekunde. Auch nach den schlaflosesten Nächten funktioniert das zwar immer wieder erstaunlich gut, aber ich habe noch nie so sehr Zeit für mich gebraucht, wie jetzt als Mama. Nach einem anstrengenden Tag kurz die Augen schließen, und wenn es nur für ein paar Minuten ist. Für eine halbe Stunde in der Wanne liegen, ohne dass jemand schreit. Oder einmal die Woche zwei Stunden Sport ganz für mich allein – übrigens ein weiterer wichtiger Schritt, um mich mit meinem Körper wieder anzufreunden. Das tut gut und genauso gut tut es, den Kleinen danach wieder in die Arme zu schließen. Sich daran zu erinnern, wieso das alles gerade so anders ist als vorher, und doch so wunderschön.

Wenn ich in den Spiegel schaue, dann sehe ich mein altes und mein neues Ich. Es ist nicht entweder oder, sondern sowohl als auch. Ich muss mich nicht zwischen einem von beiden entscheiden, denn das eine schließt das andere nicht aus. Ich muss mich nur immer wieder an beide Seiten erinnern.

Die wunderschöne Unterwäsche wurde mir von erlich textil zur Verfügung gestellt. Wie gut, dass es dort jetzt passenderweise auch Still-BHs gibt. Vielen Dank ♥

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