Alle Artikel in: Kopf

Auf Goldfasanblog findest du Tipps zu Ausstellungen, Konzerten, Kultur und mehr.

Cover von Buch Vibration Highway

Andrea Éva Györi // Vibration Highway – Über die weibliche Lust

Der weibliche Orgasmus gilt immer noch als Mysterium. Das liegt zum einen an fehlenden wissenschaftlichen Erkenntnissen darüber, wie die weibliche Lust überhaupt funktioniert und zum anderen an der fehlenden Akzeptanz, dass nicht nur Männer, sondern eben auch wir Frauen masturbieren. Und nicht zuletzt liegt es auch an dem falschen Bild, das durch Medien wie Hollywoodfilme vermittelt wird: Da scheinen Frauen nach nur wenigen kurzen Berührungen zum Höhepunkt zu gelangen oder allein in der Missionarstellung den Sex ihres Lebens zu haben. Fakt ist jedoch: In Deutschland kommt nur jede dritte Frau beim Geschlechtsverkehr zum Orgasmus und auch wenn es um Selbstbefriedigung geht, kennen viele Frauen ihren eigenen Körper noch viel zu wenig. Dabei ist das eigene Körpergefühl besonders wichtig, genauso wie die Kenntnis, dass es kein Patentrezept gibt. Nicht nur jeder Körper, jede Figur ist unterschiedlich gebaut, auch jede Vagina sieht anders aus und reagiert dementsprechend auch verschieden auf Berührungen. Die weibliche Lust in unterschiedlichen Facetten In letzter Zeit begegnen mir Auseinandersetzungen mit der weiblichen Lust immer häufiger. Und das ist gut so, schließlich ist das …

Besucherin sitzt auf Bank im Museum Jeu de Paume

Kultur in Paris // 5 sehenswerte Ausstellungen im Herbst und Winter 2017

In den letzten beiden Jahren hat Paris mein Herz im Sturm erobert. Während ich bei meinen ersten Besuchen  noch nicht so viel mit der großen Stadt an der Seine anfangen konnte, kann ich mittlerweile gar nicht oft genug dort sein. Weite Alleen und prunkvolle Bauten, hübsche kleine Gässchen mit den schönsten Boutiquen, eine vielfältige Kunst- und Kulturszene, malerische Straßencafés und Bistros, jede Menge modisches Stilbewusstsein – und natürlich die leckersten Moules Frites an jeder Ecke. Ach Paris, du bist wirklich immer wieder eine Reise wert. Auch in der kalten Jahreszeit hat die Stadt der Liebe mit unzähligen Ausstellungen und weiteren kulturellen Highlights übrigens Einiges zu bieten – von moderner Kunst über Fotografie bis hin zu Mode und Feminismus ist für jeden genau das Richtige dabei. Welche Veranstaltungen ihr in diesem Herbst und Winter auf keinen Fall verpassen solltet, lest ihr hier. Fondation Louis Vuitton: Being Modern – MoMA in Paris Für alle, die es genauso wie ich noch nie nach New York geschafft haben und sich trotzdem gerne das MoMA anschauen würden, lohnt sich derzeit …

Hände ertasten Material

Beyond Seeing // Mode mit allen Sinnen erfahren

In den letzten Jahren habe ich mich auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit dem Thema Mode auseinandergesetzt. Sowohl in der Uni als auch privat und beruflich ist sie mir immer wieder begegnet und ich habe sie auch immer mehr kennen und lieben gelernt. Als kulturwissenschaftlichen Diskurs, als gesellschaftliches Phänomen, als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, als kurzweiligen Trend und vor allem als äußerst vielschichtige Angelegenheit. Trotz dieser Vielfältigkeit hat Mode fast immer eines gemeinsam: Sie ist ein sehr visuelles Erlebnis. Seien es die neuen Kollektionen auf dem Laufsteg, der Blick in den Spiegel der Umkleidekabine oder klassische Printmagazine wie die Vogue, Harper’s Bazaar und Co. – all das ist nur schwer erfahrbar, wenn man nichts sehen kann. Genau diesem Thema widmet sich das Recherche- und Ausstellungsprojekt BEYOND SEEING, von dem ich euch letztens an dieser Stelle schon berichtet hatte. Es wurde im Oktober 2016 vom Goethe-Institut Paris in Zusammenarbeit mit vier renommierten Modehochschulen aus Deutschland, Frankreich, Schweden und Belgien ins Leben gerufen. Ziel ist es, Mode in einem Zusammenspiel von Sinneswahrnehmungen über den visuellen Reiz …

Collage Teaserbild Beyond Seeing

Beyond Seeing // Mehr als man sieht – Kunst und Mode in Berlin-Kreuzberg

„Soll ich dich führen?“, frage ich Lydia und merke im selben Moment, dass ich eigentlich gar nicht genau weiß, wie das geht. Ein wenig unsicher halte ich ihr meinen Arm hin. „Ja, gerne“, antwortet sie. „Lass den Arm ganz locker – einfach so, wie du ihn auch sonst halten würdest.“ Lydia hakt sich bei mir ein und wir gehen los. Meine anfänglichen Bedenken lösen sich sofort in Luft auf, als wir uns schnell in ein Gespräch vertiefen – wir unterhalten uns über Berlin, über Lydias Kinder und natürlich über das Bloggen. Das ist also mein erster Kontakt mit einer blinden Person – der erste, aber bestimmt nicht der letzte. ESMOD: Ein Nähkurs für blinde und sehbehinderte Menschen Nach einem kurzen Spaziergang durch Kreuzberg sind wir angekommen und betreten die ESMOD, die Internationale Kunsthochschule für Mode am Görlitzer Park. In einem großen Saal mit Nähmaschinen, Bügeleisen und Arbeitstischen liegt schon alles bereit für unseren Nähworkshop. Er findet im Rahmen der Woche des Sehens in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Blinden- und Sehbehinderten Verband e. V. (DBSV) und BEYOND SEEING statt – …

Einkaufszentrum McArthurGlen Provence und Rodin Ausstellung

Salut Rodin // Kunst und Mode in der Provence

Mode und Kunst gehören zusammen. Beide sind Kulturgut und ein Spiegel der Gesellschaft. In Frankreich gilt das erst recht, denn das Land blickt sowohl auf eine traditionsreiche Kunst- als auch Modegeschichte zurück und eignet sich deshalb besonders gut, um beides gemeinsam zu entdecken. Letzte Woche war ich in der Provence unterwegs und habe genau das getan: Shopping auf der einen und einen Vernissage-Besuch auf der anderen Seite. Erst im April hat in Miramas bei Marseille ein neues Designer Outlet von McArthurGlen seine Pforten geöffnet, übrigens das erste in Südfrankreich. Das hübsche Shoppingdorf sieht mit seinen kleinen pastellfarbenen Häuschen fast genauso hübsch aus wie die umliegenden Orte – typisch provençalisch eben. Nur eines ist anders: Hinter ihrer Fassade verstecken sich jede Menge modische Fundstücke. Vom italienischen Vintage-Store über kleine lokale Boutiquen bis hin zu großen Brands wie Sandro, The Kooples, Calvin Klein oder Zadig & Voltaire gibt es für jeden Geschmack genau das Richtige. Und wie es sich für ein Outlet gehört, überzeugen hier natürlich vor allem die Preise. Viele Teile sind bis um die Hälfte …

Deutsche Ausgabe von Ronja Räubertochter

Kaffeeklatsch // Weshalb Ronja Räubertochter meine Kindheitsheldin war

Bis Facebook mal wieder seine Bestimmungen änderte, hieß ich dort Sonja Räubertochter. Das hatte allerdings nicht nur mit der Ähnlichkeit unserer Vornamen zu tun, sondern vielmehr mit meinem Faible für Astrid Lindgrens schönste Buchfigur. Als Kind habe ich meine illustrierte Ausgabe in regelmäßigen Abständen verschlungen und natürlich auch den Film gleich mehrmals gesehen. Ich liebte Ronja. Sie war klug, sie war mutig und sie war frei. Ich wollte immer genauso sein wie sie. Manchmal baute ich mir in meinem Kinderzimmer eine Höhle, holte mir unten aus der Küche eine Flasche Milch und ein Stückchen Brot, um so zu tun, als würde ich mit Birk Borkasohn im Mattiswald den Winter verbringen. Oder den Frühling. Oder den Sommer. Im Mattiswald gab es schließlich immer etwas zu erleben. Garstige Graugnome, wütende Wilddruden und ein unheilvoller Höllenschlund – das alles war ganz nach meinem Geschmack. Und dann war da ja noch diese schöne Liebesgeschichte. Derzeit wird in den Medien viel über bestimmte Motive in Kinderhörspielen gesprochen. Benjamin Blümchen ist als Wutbürger enttarnt, Bibi Blocksberg von altmodischen Geschlechterrollen geprägt und die Geschichten rund um TKKG weisen rassistische Züge …

Waffelherz

Kaffeeklatsch // Kassel – ein Liebesbrief an meine Heimatstadt

Neulich bin ich über folgenden Satz gestolpert: "Der eigene Geburtsort ist kein Verdienst." In Berlin bekommt diese Aussage eine besonders große Bedeutung, denn echte Berliner sind quasi die Ultras unter den Lokalpatrioten und alle Nicht-Hauptstadt-Kinder stehen automatisch eine Stufe unter ihnen. Versteht mich nicht falsch, ich liebe Berliner und die Stadt noch mehr, aber dieser Umstand ist nunmal Fakt. Berliner sind einfach die besseren Menschen, finden sie. Als Kasselanerin kann ich da schon gar nicht mithalten, denn Kassel ist die hässlichste Stadt der Welt. Mag man Kurzzeitbesuchern, Durchreisenden – oder Berlinern – Glauben schenken, dann gehörte Kassel eigentlich direkt von der Landkarte entfernt. Sechzigerjahrebausünden treffen auf Spießbürgertum. Höchstens der Herkules ist vielleicht ganz nett. Wieso findet die documenta eigentlich nicht in Berlin statt?  Jedes Mal, wenn wir in Berlin auf meine Heimatstadt zu sprechen kommen, muss ich mich rechtfertigen. Muss ich Kassel rechtfertigen, erklären, wieso es diesen unsäglichen Ort überhaupt gibt. Ehrlich, ich bin das leid. Auch meine eigene Beziehung zu der Stadt ist keine einfache, was weniger an ihr selbst als vielmehr an familiären Umständen liegt …

Blick auf Altbauten

Kaffeeklatsch // Berliner Nachbarschaften

Ich wage zu behaupten, dass wir ganz passable Nachbarn sind. Abgesehen von gelegentlichen verbalen Auseinandersetzungen oder hier und da mal einer Youtube-Party bekommt man von uns im Haus nicht (mehr) allzu viel mit. Früher war das schon anders, wenn regelmäßig unser Nachbar von obendrüber vor der Tür stand und uns darum bat, die Musik doch bitte leiser zu stellen – sein Aquarium würde schon vibrieren. Paradoxerweise war dieser Nachbar ein in die Jahre gekommener Punker, der sich selbst den schönen Spitznamen Terror gegeben hatte. "Schon wieder dieser Spießer", dachten wir jedes Mal, wenn es erneut klingelte und Terror uns anbot, sich eine Schachtel Tennisbälle mit uns zu teilen, damit wir alle gemeinsam den Schall unserer Boxen dämmen konnten. Er selbst hörte nämlich auch nur allzu gerne Musik – vorzugsweise beim Staubsaugen – was den Lautstärkepegel manchmal ins Unermessliche trieb. Mittlerweile ist Terror ausgezogen und ich muss zugeben, dass er mir manchmal fehlt. Weil es irgendwie doch immer lustig war, wenn seine Stieftochter pausenlos "T E R R O R" durch unseren Hausflur brüllte, wenn es Mittagessen gab. …