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Interview // Als blindes Kind arabischer Eltern – Lydias Welt

Lydia beim Nähkurs

„Ich war vier Jahre alt, als meine Mutter erklärte, dass wir zu meinem Vater fliegen würden. Damals fand ich das ungeheuer spannend. Erst recht, da alle Menschen, die ich kannte, nur positives von Deutschland zu berichten wussten. Ich konnte damals nicht wissen, dass sich mein Leben von Grund auf ändern würde. Es war der weg vom Dasein eines armen blinden Mädchens hin zu einer Frau, die ihr Leben selbst bestimmt lebt. Dazu gehören fast erwachsene Kinder, zwei Katzen, Berufstätigkeit und noch einiges mehr.“

Mit diesen Worten endet Lydias allererster Blogbeitrag. Seit über einem Jahr schreibt sie nun auf ihrer Seite Lydias Welt über Themen wie Blindheit und Sehbehinderung im Alltag, aber auch über ihre arabische Herkunft. Ich durfte Lydia beim deutsch-französischen Bloggertreffen im Rahmen des Projekts Beyond Seeing des Goethe-Instituts Paris kennenlernen und habe zwei kurze aber intensive Tage gemeinsam mit ihr und der Gruppe verbracht. Natürlich haben sich bei mir jede Menge Fragen ergeben. Wie führt man einen Blog, wenn man blind ist? Welche Schwierigkeiten gibt es? Und wobei braucht man vielleicht Hilfe? All das hat mir Lydia in einem kurzen Interview beantwortet. Vielen Dank!

Goldfasan: Wann hast du mit dem Bloggen angefangen und warum?
Lydia
: Ich habe im Juni 2016 mit meinem Beitrag „Als blindes Kind arabischer Eltern“ angefangen. Das fand so guten Anklang, dass mich das zum Weitermachen motiviert hat.

G: Worüber schreibst du auf deinem Blog?
L:
 Ich schreibe über das Thema Blindheit und Sehbehinderung. Dabei stehen ganz praktische Dinge im Vordergrund. Die meisten nicht blinden Leser können sich nicht vorstellen wie man ohne zu sehen wäscht, wie ich ohne mir ständig die Finger zu verbrennen kochen kann, oder wie man sich blind mit dem Blindenlangstock orientiert. Das versuche ich meinen Lesern möglichst einfach und Praxis bezogen zu erklären. Ein weiteres Themenspektrum ist meine arabische Herkunft. Auch hier gibt es Themen, die mir am Herzen liegen.

G: Was ist für dich beim Bloggen die größte Schwierigkeit, weil du blind bist?
L:
Alles was optisch ist, ist für mich eine absolute Herausforderung. Wenn ein Bild nicht beschriftet ist, weiß ich nicht was sich darauf befindet. Und ich weiß nicht wie meine Beiträge optisch wirken. In einer visuell orientierten Welt muss ich so manches Mal in die Trickkiste greifen, wenn ich mich als Bloggerin behaupten möchte. Und manche Dinge gehen für mich gar nicht, wie z. B. Instagram. Ich habe mir mal zu Testzwecken einen Accdount angelegt, kann ihn aber nicht selbst betreuen.

G: Bekommst du Hilfe oder machst du alles allein?
L:
Ich bereite die Texte vor, und schicke sie dann an eine Assistenz, die noch mal drüber schaut, die Bilder an die richtige Stelle einfügt, oder am Layout bastelt. Meist bezahle ich für diese Dienstleistung eine kleine Aufwandsentschädigung.

G: Welche anderen Blogs liest du gerne?
L:
Ich lese gerne Blogs zum Thema Behinderung, Reisen oder auch mal was zum Thema Kochen. Das ist von meiner Laune abhängig. Oft bin ich auf Facebook unterwegs und entdecke auch mal neue Blogs, in die ich mal reinschaue.

G: Worauf sollten andere Blogger beim Schreiben achten, damit auch blinde Menschen ihren Blog gut lesen können?
L:
Ganz oben auf meine Liste steht eine gute Struktur. Wenn ein Blog mit Bildern überladen ist, höre ich nach dem zweiten Absatz auf zu lesen. Bilder, die nicht beschriftet sind, kann ich nicht erfassen. Und wenn dann noch die Kommentarfunktion mit einem Captcha geschützt ist, sind blinde Menschen meist davon ausgeschlossen.

Auf meinem Blog gibt es einen Beitrag, der am Beispiel von WordPress zeigt, wie man Barriere arm bloggen kann.

G: Was ist für dich das Besondere am Beyond Seeing Projekt des Goethe-Instituts Paris?
L:
Ich finde die Idee das Thema Mode einmal anders anzugehen gut. Und ich finde gut, dass wir aus unterschiedlichen Blickwinkeln darüber schreiben.

G: Welcher Programmpunkt hat dir beim Bloggertreffen in Berlin am besten gefallen und warum?
L:
Mir hat der Nähworkshop gefallen. Da ich in meiner Freizeit gern stricke, interessiert mich das Thema Handarbeiten. Ich habe mir fest vorgenommen noch mal in dieser Richtung tätig zu werden.

G: Hast du durch das Projekt einen anderen „Blick“ auf das Thema Mode bekommen?
L:
Eigentlich nicht. Es waren viele interessante und gute Eindrücke. Aber an meiner Einstellung zu Mode hat es nichts verändert.

G: Welches ist dein liebstes Kleidungsstück im Schrank?
L:
Ich habe einige Kleidungsstücke, die ich bevorzugt anziehe. Aber ein wirkliches Lieblingsstück habe ich zurzeit nicht. Zeit mal wieder einkaufen zu gehen, und Ausschau nach einem zu halten.

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