Herz, Kopf, Lifestyle
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Beyond Seeing // Mode mit allen Sinnen erfahren

Hände ertasten Material

In den letzten Jahren habe ich mich auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit dem Thema Mode auseinandergesetzt. Sowohl in der Uni als auch privat und beruflich ist sie mir immer wieder begegnet und ich habe sie auch immer mehr kennen und lieben gelernt. Als kulturwissenschaftlichen Diskurs, als gesellschaftliches Phänomen, als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, als kurzweiligen Trend und vor allem als äußerst vielschichtige Angelegenheit. Trotz dieser Vielfältigkeit hat Mode fast immer eines gemeinsam: Sie ist ein sehr visuelles Erlebnis. Seien es die neuen Kollektionen auf dem Laufsteg, der Blick in den Spiegel der Umkleidekabine oder klassische Printmagazine wie die Vogue, Harper’s Bazaar und Co. – all das ist nur schwer erfahrbar, wenn man nichts sehen kann.

Aufgeschlagene Modezeitschrift

Genau diesem Thema widmet sich das Recherche- und Ausstellungsprojekt BEYOND SEEING, von dem ich euch letztens an dieser Stelle schon berichtet hatte. Es wurde im Oktober 2016 vom Goethe-Institut Paris in Zusammenarbeit mit vier renommierten Modehochschulen aus Deutschland, Frankreich, Schweden und Belgien ins Leben gerufen. Ziel ist es, Mode in einem Zusammenspiel von Sinneswahrnehmungen über den visuellen Reiz hinaus wahrnehmbar zu machen. Dafür kamen bislang nicht miteinander in Berührung gekommene Gruppen zusammen. Sowohl Designstudierende als auch blinde und sehbehinderte Teilnehmer sowie Experten aus verschiedenen künstlerischen Disziplinen haben gemeinsam innovative Designkonzepte entwickelt.

Teilnehmer des BEYOND SEEING Projekts beim Entwerfen

BEYOND SEEING wirft die Frage auf,  wie sehbehinderte oder blinde Menschen unter heutigen Bedingungen Mode wahrnehmen.

„Wie gehen sie damit um, nicht zu sehen, was getragen wird und wie andere Menschen auf ihre Kleidung reagieren? Wie erfahren sie Farben, Stoffe und Oberflächen? Was nehmen sie wahr, was wir vielleicht nicht oder nicht mehr wahrnehmen? Worin besteht für sie der Begriff der Schönheit? Und wie lässt sich Mode über die anderen Sinne jenseits des Sehens erlebbar machen?“

Im Rahmen von internationalen Recherche-Workshops, einem diskursiven Begleitprogramm und einer Ausstellung möchte das Projekt die Antworten darauf finden. Bestehende Kreationsmechanismen und Denkmuster sollen aufgebrochen und neue Dimensionen für zukunftsorientierte Designprozesse eröffnet werden. Neben dem Transfer von Wissen, Wahrnehmungen, Emotionen und Lernprozessen geht es darum, in allen Bereichen des alltäglichen Lebens Ansätze zu finden, blinden und sehbehinderten Menschen ein gleichberechtigtes Leben zu ermöglichen und die öffentliche Wahrnehmung für ihre Bedürfnisse zu stärken. Insgesamt nehmen 50 sehende und nicht sehende Menschen an dem Projekt teil.

Kleiderpuppen mit Fotos anstatt Köpfen

Nachdem die ersten drei Phasen von BEYOND SEEING mittlerweile abgeschlossen sind – eine Impulskonferenz in Paris, Recherche-Workshops in allen vier Teilnahmeländern und ein Kreationsworkshop in Berlin – findet im Januar 2018 zum Abschluss eine transdisziplinäre und interaktive Ausstellung statt, um die Ergebnisse aller Teilnehmer zu präsentieren. Modekreationen, Designobjekte und Erlebnisse werden über ein vielschichtiges Sinnerlebnis wahrnehmbar gemacht. Sowohl sehende als auch nicht sehende Besucher können Mode fühlen, riechen und schmecken, ohne visuelle Impulse zu benötigen. Begleitend zur Ausstellung ist ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm zum künstlerischen, wissenschaftlichen und zukunftsorientierten Austausch geplant.

Teilnehmer des BEYOND Seeing Projekts beim Tasten

Die Ausstellung wird am 18. Januar 2018 in Paris eröffnet und findet im La Villette statt, einer der größten Parkanlagen und wichtigsten Kulturstätten der Stadt. Kommt vorbei und überzeugt euch vor Ort von dem wunderbaren Projekt oder folgt mir auf Instagram, um hinter die Kulissen zu schauen. Es lohnt sich immer wieder, Dinge aus einer neuen Perspektive zu betrachten – versprochen.

Alle Fotos (c) Goethe-Institut Paris

– In freundlicher Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Paris – 

Hand ertastet Material

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