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Deutsche Ausgabe von Ronja Räubertochter

Kaffeeklatsch // Weshalb Ronja Räubertochter meine Kindheitsheldin war

Bis Facebook mal wieder seine Bestimmungen änderte, hieß ich dort Sonja Räubertochter. Das hatte allerdings nicht nur mit der Ähnlichkeit unserer Vornamen zu tun, sondern vielmehr mit meinem Faible für Astrid Lindgrens schönste Buchfigur. Als Kind habe ich meine illustrierte Ausgabe in regelmäßigen Abständen verschlungen und natürlich auch den Film gleich mehrmals gesehen. Ich liebte Ronja. Sie war klug, sie war mutig und sie war frei. Ich wollte immer genauso sein wie sie. Manchmal baute ich mir in meinem Kinderzimmer eine Höhle, holte mir unten aus der Küche eine Flasche Milch und ein Stückchen Brot, um so zu tun, als würde ich mit Birk Borkasohn im Mattiswald den Winter verbringen. Oder den Frühling. Oder den Sommer. Im Mattiswald gab es schließlich immer etwas zu erleben. Garstige Graugnome, wütende Wilddruden und ein unheilvoller Höllenschlund – das alles war ganz nach meinem Geschmack. Und dann war da ja noch diese schöne Liebesgeschichte. Derzeit wird in den Medien viel über bestimmte Motive in Kinderhörspielen gesprochen. Benjamin Blümchen ist als Wutbürger enttarnt, Bibi Blocksberg von altmodischen Geschlechterrollen geprägt und die Geschichten rund um TKKG weisen rassistische Züge …

Waffelherz

Kaffeeklatsch // Kassel – ein Liebesbrief an meine Heimatstadt

Neulich bin ich über folgenden Satz gestolpert: "Der eigene Geburtsort ist kein Verdienst." In Berlin bekommt diese Aussage eine besonders große Bedeutung, denn echte Berliner sind quasi die Ultras unter den Lokalpatrioten und alle Nicht-Hauptstadt-Kinder stehen automatisch eine Stufe unter ihnen. Versteht mich nicht falsch, ich liebe Berliner und die Stadt noch mehr, aber dieser Umstand ist nunmal Fakt. Berliner sind einfach die besseren Menschen, finden sie. Als Kasselanerin kann ich da schon gar nicht mithalten, denn Kassel ist die hässlichste Stadt der Welt. Mag man Kurzzeitbesuchern, Durchreisenden – oder Berlinern – Glauben schenken, dann gehörte Kassel eigentlich direkt von der Landkarte entfernt. Sechzigerjahrebausünden treffen auf Spießbürgertum. Höchstens der Herkules ist vielleicht ganz nett. Wieso findet die documenta eigentlich nicht in Berlin statt?  Jedes Mal, wenn wir in Berlin auf meine Heimatstadt zu sprechen kommen, muss ich mich rechtfertigen. Muss ich Kassel rechtfertigen, erklären, wieso es diesen unsäglichen Ort überhaupt gibt. Ehrlich, ich bin das leid. Auch meine eigene Beziehung zu der Stadt ist keine einfache, was weniger an ihr selbst als vielmehr an familiären Umständen liegt …

Blick auf Altbauten

Kaffeeklatsch // Berliner Nachbarschaften

Ich wage zu behaupten, dass wir ganz passable Nachbarn sind. Abgesehen von gelegentlichen verbalen Auseinandersetzungen oder hier und da mal einer Youtube-Party bekommt man von uns im Haus nicht (mehr) allzu viel mit. Früher war das schon anders, wenn regelmäßig unser Nachbar von obendrüber vor der Tür stand und uns darum bat, die Musik doch bitte leiser zu stellen – sein Aquarium würde schon vibrieren. Paradoxerweise war dieser Nachbar ein in die Jahre gekommener Punker, der sich selbst den schönen Spitznamen Terror gegeben hatte. "Schon wieder dieser Spießer", dachten wir jedes Mal, wenn es erneut klingelte und Terror uns anbot, sich eine Schachtel Tennisbälle mit uns zu teilen, damit wir alle gemeinsam den Schall unserer Boxen dämmen konnten. Er selbst hörte nämlich auch nur allzu gerne Musik – vorzugsweise beim Staubsaugen – was den Lautstärkepegel manchmal ins Unermessliche trieb. Mittlerweile ist Terror ausgezogen und ich muss zugeben, dass er mir manchmal fehlt. Weil es irgendwie doch immer lustig war, wenn seine Stieftochter pausenlos "T E R R O R" durch unseren Hausflur brüllte, wenn es Mittagessen gab. …

Flatlay mit Landkarte und Technik

Kaffeeklatsch // Von Taschenaschenbechern und Spiegelreflexkameras – eine Reiseerfahrung

In meiner neuen Rubrik 'Kaffeeklatsch' werde ich euch ab sofort an meinen Gedanken aus dem Alltag teilhaben lassen. Es geht um Dinge, die mich bewegen und Texte, die mir in den Sinn kommen. Manchmal werde ich mir Luft machen, manchmal meinem Drang zum Schreiben nachgehen und manchmal auch nur kurz und knapp meine Meinung zu etwas äußern. Willkommen in meinem Kopfkino! Durchgefroren aber glücklich klettern wir vom Tagesboot zurück auf unsere Dschunke. Noch eine Nacht werden wir auf See in der wunderschönen Bai Tu Long Bay verbringen. Viele Passagiere von gestern sind bereits abgereist, stattdessen ist eine neue Gruppe an Bord gekommen. Die meisten von ihnen sind Familien oder ältere Ehepaare. Auch ein Pärchen in unserem Alter ist dabei, das allerdings nicht so recht zu der Reisegruppe passen mag. Mit nackten Füßen und Leinenhosen laufen die beiden an Deck umher, lernen voller Enthusiasmus, wie man frische Frühlingsrollen zubereitet und gestehen sich dabei immer wieder gegenseitig ihre Liebe. "Deine Frühlingsrolle gleicht einem aufgehenden Stern am Himmel", klingt es mir noch in den Ohren. Er trägt lange Haare, sie Dreadlocks. Sein Kapuzenpulli hat bereits …

Foto mit Coffee Table Book

Gift Guide // Die 8 schönsten Coffee Table Books zum Verschenken und Behalten

Zu Weihnachten verschenke ich unheimlich gerne Bücher. Allerdings weiß ich auch, dass es einige Menschen gibt, die überhaupt nicht gerne lesen. Ein Roman von Thomas Mann ist dann also nicht die beste Idee, aber zum Glück gibt es ja genügend Alternativen. Coffee Table Books zum Beispiel, in denen man die schönsten Fotografien findet und nur wenig Text. Die fabelhaften Bildbände eignen sich jedoch nicht nur für Lesemuffel, sondern quasi für jedermann als Weihnachtsgeschenk. Vielleicht solltet ihr davon allerdings jedes Jahr nur ein Exemplar verschenken, denn ansonsten müsst ihr an den Feiertagen mit einem Kleinlaster zu Hause anreisen und vorher noch ordentlich Gewichte stemmen. Perfekte Alternative: Eines zum Verschenken und eines zum Behalten bestellen, damit sich der heimische Couchtisch nicht vernachlässigt fühlt. Das sind die schönsten Coffee Table Books aus den letzten Jahren:  1. Infinite Space: Contemporary Residential Architecture and Interiors von James Silverman James Silverman ist Architekturfotograf und einmal um die Welt gereist. In seinem Bildband zeigt er verschiedene Traumhäuser mit Ausblick von der abgeschiedenen, norwegischen Berghütte über den monolithischen Betonbau in der Schweiz bis hin zur Wüstenoase in Marokko. Dabei sind …

Lesetipp // 5 Neuerscheinungen im Februar

So richtig glauben kann ich es noch nicht, dass ich nie wieder in die Uni muss. Zwei Dinge sprechen aber tatsächlich dafür: Erstens ist vor wenigen Tagen ein Brief ins Haus geflattert, in dem geschrieben stand, dass ich in rund vier Wochen mein Zeugnis abholen kann; zweitens lese ich seit einiger Zeit endlich mal wieder meine eigenen Bücher, ganz ohne Zeitdruck, Post-its oder Bleistiftnotizen. Und obwohl ich ja eigentlich Heine, Hesse und all die anderen großartigen Schriftsteller und Schriftstellerinnen liebe, muss ich zugeben, dass ich es nach all den wissenschaftlichen Texten sehr entspannend finde, die Frankreicherlebnisse von Stefan Ulrich zu erkunden. Das Buch hat meine Mutter mir bereits vor einigen Jahren geschenkt, aber erst jetzt komme ich dazu, es zu Ende zu lesen. Was liegt bei euch aktuell auf dem Nachttisch? 

Titelbild Neuerscheinungen

Lesetipp // 4 Neuerscheinungen im Januar

Der Dezember, dieser Schlingel, lief während der Feiertage auf Samtpfoten an mir vorbei und ehe ich mich versah, war er auch schon wieder weg. Da war nicht mal Zeit für eine kurze Leseliste mit den besten Neuerscheinungen so kurz vorm Fest. Vielleicht ist das aber auch gar nicht so schlimm, denn ich persönlich verziehe mich in dieser Zeit ja lieber mit meinen alten Märchenbüchern der Brüder Grimm oder von Hans Christian Andersen auf das Sofa. Für alle Lesefaulen liefen diese ja quasi auch in Dauerschleife im Fernsehen. Jetzt ist es allerdings so weit, wieder frisch durchzustarten und deshalb habe ich mich sogleich auf die Suche nach der schönsten neuen Literatur im Januar begeben. Voilà: