Herz, Lifestyle
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Diary // Ein Plädoyer für die Liebe

Hochzeitsfoto

Der Beziehungsstart von Moritz und mir war alles andere als glorreich und wenn mir damals jemand erzählt hätte, dass ich diesen Mann mal heirate, hätte ich ihm vermutlich einen Vogel gezeigt. Dabei hatte eigentlich alles so gut begonnen, quasi mit Liebe auf den ersten Blick, einem romantischen ersten Kuss auf der Warschauer Brücke und unzähligen gemeinsam verbrachten Tagen und Nächten auf der Tanzfläche, im Uni-Hörsaal und auch im Bett. Eigentlich war alles perfekt, hätte mir da nicht mein Herz einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Der ein oder andere von euch weiß vielleicht, wie es ist, von einer Beziehung in die nächste zu fallen, bereits ahnend, dass die rosarote Brille nicht für immer bleibt. Auf jeden Fall ist es keine gute Idee – weder für den einen, noch für den anderen, noch für sich selbst. Aber Liebe kann man sich nicht aussuchen – und wenn das Herz sich erst hierhin und dann dorthin sehnt, macht der Kopf irgendwann nicht mehr mit. Zum Glück hat sich wenigestens einer nicht davon beirren lassen, nämlich Moritz, und dafür bin ich ihm unendlich dankbar. 

Hochzeitsprogramm

In den letzten sieben Jahren ist eine Menge passiert, nicht nur zwischen uns, sondern auch um uns herum. Viele wunderschöne Dinge, aber auch viele komplizierte: Ein Auslandssemester, eine Scheidung in der Familie, ein unerwarteter Todesfall und zwischendrin immer wieder die emotionale Unsicherheit meinerseits, ob das denn nun wirklich alles richtig ist. Ob es nicht doch besser wäre, noch mal von vorn zu beginnen, eine andere Richtung einzuschlagen und die Zweifel endlich hinter sich zu lassen. Schließlich bin ich aus unserer gemeinsamen Wohnung ausgezogen, ohne einen genauen Plan, was dann überhaupt passieren würde und was ich mir davon erwarte. Und genau wie all die anderen Male, die ich vorher schon gegangen bin, fest entschlossen, dies sei das letzte, hielt ich es nur ein paar Tage aus, bis wir uns wiedersahen. In dieser Zeit gab es unglaublich viel Streit, wir waren unfair und gemein zueinander, aber im Grunde unseres Herzens wussten wir, dass wir uns lieben. Dass wir an all diesen Dingen so sehr gewachsen sind.

Brautschuh

Ausschlaggebend war letztendlich genau das, was Moritz schon von Beginn an immer zu mir gesagt hat: Nicht so viel darüber nachdenken, einfach auf das Herz hören, sich fallen und darauf einlassen. Und als ich das getan habe, wusste ich genau, wieso ich all die Jahre geblieben bin: Für mich gibt es niemanden sonst, dessen Stimme schöner ist, dessen Umarmungen beruhigender, dessen Küsse besser und dessen Augen leuchtender sind. Der mehr Familie für mich ist und mich in allem unterstützt, ganz egal, was ich tue. Ich habe zwar eine Weile gebraucht, um all das zuzulassen, aber im Prinzip wusste ich es vom ersten Moment an. Bloß hat sich irgendetwas in mir lange dagegen gesträubt – wieso auch immer. Doch irgendwann bin ich angekommen und es gab keine Kämpfe mehr, sondern nur noch Liebe. Und nach zwei Jahren sind wir wieder zusammengezogen, manchmal zu wenig aber manchmal auch zu viel erwachsen geworden, haben Reisen gemacht und den allerschönsten Sommer mit den allerkürzesten Nächten in Berlin verbracht. 

Bräutigam bindet Fliege

Und irgendwann saßen wir gemeinsam in unserem Lieblingsrestaurant um die Ecke, aßen einen Haufen Pelmeni und sprachen darüber, wie es eigentlich wäre, zu heiraten. Und was überhaupt dagegen spricht zu heiraten. Und warum wir beide nicht heiraten. Und eigentlich fiel uns überhaupt nichts dagegen ein – außer mir eine Sache, und zwar mein Alter. Denn wer heiratet schon mit 26, alle finden das doch komisch und meistens wird über frühere Bekanntschaften nur gelästert, die sich in der Mehrzweckhalle nebst Doppelstocksahnetorte, Baumstammsägen, DJ Rainer Wahnsinn und im riesigen Tüllkleid das Jawort gegeben haben. Hochzeit, das ist doch irgendwie uncool, wer macht das heutzutage schon noch – vor allem in Berlin. Und aus diesen, aber auch aus vielen anderen Gründen, haben wir uns an diesem Abend im Oktober dazu entschieden, zu heiraten, aber heimlich. Es sollte ein Tag nur für uns ganz allein werden, ohne großen Aufwand, ohne viele Gedanken, ohne uns zu rechtfertigen oder es jemandem recht machen zu müssen. Meinen richtigen Antrag habe ich ein paar Monate später bekommen. 

Braut und Trauzeugin

Und es war ein wunderschöner Tag, mit einem kurzen Besuch im wohl hässlichsten Standesamt der Stadt, Regen im Januar, abgeschnittenen Köpfen auf den Automatenfotos, einem Frühstück, einem Tattootermin, einem Museumsbesuch, einer Flasche Champagner, dem besten vegetarischen Menü der Welt und einem Tanzabend mit Menschen, die wir lieben. Es hätte schöner nicht sein können und würde mich heute jemand danach fragen, ich würde es immer wieder so tun. In den nächsten Monaten haben wir es natürlich nach und nach allen erzählt, zuerst der Familie und dann den Freunden. Und die Reaktionen waren so verschieden, wie die Menschen selbst – überrascht, traurig, glücklich und manchmal auch enttäuscht. Das kann ich gut nachvollziehen, aber letztendlich ist es beim Heiraten doch genauso wie im Rest der Beziehung: Auf das Herz hören und nicht auf das, was andere gerne hätten oder von einem erwarten.

Bräutigam und Trauzeuge

Als wir die Entscheidung getroffen haben, wussten wir jedoch bereits, dass es irgendwann noch eine große Feier geben wird, gemeinsam mit allen Herzensmenschen. Genau anderthalb Jahre nach unserer standesamtlichen Trauung standen wir also mitten in Brandenburg auf einer Wiese unter einem Apfelbaum und haben uns vor all unseren Liebsten noch einmal das Jawort gegeben. Mit viel Sonnenschein, mit schöner Musik, mit den allerbesten Trauzeugen und Blumenmädchen. Und auch, wenn es kitschig klingt und wir bereits vorher darüber gesprochen hatten, dass wir bestimmt schon viel schillerndere Momente miteinander erlebt haben, lagen wir abends im Bett und waren uns einig, dass dieser Tag einer der wundervollsten unserer Beziehung war. Es war zauberschön und hätte besser nicht sein können – und all das nur, weil unsere Freunde und Familie die Besten sind. Umarmt euch, küsst euch, heiratet euch – denn es gibt nichts Schöneres auf der Welt als die Liebe. 

Fotos: willstdumitmirgehen.berlin

Hochzeitsheft

Bräutigam wartet auf Braut

Braut wird hereingeführt

Brautpaar bei der Trauung

Ringanstecken

Kuss des Brautpaares

Gäste während der Trauung

Band "Nature in the City" bei Hochzeit

Blütenwerfen

Wegweiser bei Hochzeit

Braut

Hochzeitstorte von Cupcake Berlin

Hochzeitstorte anschneiden

Candybar Hochzeit

Bräutigam

Hochzeitsdeko im Zelt

Brautpaar

6 Kommentare

  1. Liebe Sonja,
    ein wundervoller, ehrlicher Text, in dem viel Liebe steckt. Ja, manchmal ist das Leben keine Linie. Manchmal ist das Leben ein Auf und Ab, aber was bleibt, ist am Ende die Familie, die Freunde, die Liebe. Das allerwichtigste ist zu wissen: Wow, auf diesen Menschen kann ich mich stets verlassen! <3
    Mich hat auch ein Satz kurz traurig und fast wütend gemacht: "Hochzeit, das ist doch irgendwie uncool, wer macht das heutzutage schon noch" – denn ich kenne diese Einstellung zu gut!!! Seit wann ist Heiraten sooo aus der Mode gekommen, frage ich mich? Und ich bin nicht mal besonders konservativ. Ja nee, klar, man braucht keinen Trauschein für ein Liebesbekenntnis. Und von mir aus können alle auch in einer Kommune wohnen. Aber wer gibt irgendwem das Recht zu sagen: "Ihr heiratet? Ist ja spießig!" oder "Ihr heiratet nicht? Ist ja komisch!". Soll doch jeder machen wie er meint. … Denn sich von den endlosen Möglichkeiten abzuwenden, sich zu entscheiden und zu sagen, ich will nur den Einen für den Rest meines Lebens – das erfordert auch viel Mut und ist alles anderes als spießig 🙂

    liebe Grüße
    Julia | notyourcomfortzone.com
    PS: Du warst eine wunderschöne Braut 🙂

  2. Sophie sagt

    Liebe Sonja,
    der erste Gedanke, der mir in den Sinn kam, als ich deinen Text gelesen habe: Das könnten wir sein. Unsere Beziehung hatte einen ähnlichen holprigen Start, aus ähnlichen Gründen. Mein zweiter Gedanke: Wie schön zu wissen, das man nicht allein ist auf der Welt, mit den Sorgen und Gedanken. Auch wenn man hin und wieder das Gefühl hat, das man es ist. Weil Dinge manchmal anders verlaufen, nicht alles geradlinig ist, wie viele es erwarten. Und mein dritter Gedanke: Wie schön, dass es trotzt Höhen und Tiefen ein Happy End für euch gab. So wie das Leben sein muss. Manchmal chaotisch aber am Ende doch wunderbar. 🙂

    • Liebe Sophie,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Es ist wirklich schön zu hören, dass es anderen auch so geht und die Liebe trotzdem ihren Weg findet 🙂 Ich wünsche euch beiden alles Glück der Welt! 

  3. Michelle sagt

    Was für ein schöner Text, ich kann es gut nachvollziehen was du anfänglich meinst. Mein Kopf schreit auch immer viel zu laut, obwohl das Herz auch gern mal gehört werden möchte. Schön das ihr so zueinander gefunden habt! Wirklich tolle Bilder, ich wünsche euch alles Gute!

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